Gucci – Familie mit tiefen Abgründen

Habgier, Rache, Betrug und Mord

Hinter der Edel-Marke Gucci verbirgt sich eine Familien-Saga mit unglaublichen Abgründen. Die uneheliche Tochter des legendären Firmengründers hat nun ihre Sicht des Dramas der Gucci Familie offen gelegt.

Das Buch von Patricia Gucci lässt uns einen Blick hinter die Kulissen der berühmten Modemarke werfen. Ein Familiendrama über Generationen, das seines gleichen sucht, brachte das Modeunternehmen in den 80igern an den Rand des Abgrunds.

„Den schlimmsten Verrat, heißt es, begehen diejenigen, die uns am nächsten stehen.“ Damit beschreibt Patricia Gucci wohl am treffendsten den Kern des Dramas der Gucci Familie.

Der eigene Sohn des Firmengründers Aldo Gucci liefert den Vater der US-Justiz aus. Der muss daraufhin wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis. Das Motiv des Sohnes Paolo ist angeblich Rache. Er fühlte sich vom Vater aus der Firma gedrängt.

Geheimnisse der Gucci Familie gelüftet

Doch Paolo kommt nicht ungeschoren davon. Sein Cousin Maurizio gibt der Polizei den Hinweis auf eine Luxusjacht, die Paolo aus „illegalen Geldern finanziert hat“. Dann wiederum wird Maurizio angeblich von Paolo angezeigt und muss in die Schweiz flüchten.

Die Buchautorin Patricia Gucci, uneheliche Tochter von Aldo Gucci, wird lange Jahre vor der Welt verschwiegen. Dann bleibt sie Jahre lang zum Schweigen verpflichtet. Jetzt hat sie in dem Buch „In Guccis Namen“ Geheimnisse der Gucci Familie gelüftet.

Eine Familie im Luxus mit familiären Abgründen, großer krimineller Energie und voll Neid und Eifersucht. Und schließlich sogar der Mord an Maurizio Gucci. Dafür muss seine Ex-Frau dann 16 Jahre ins Gefängnis.

Das Wall Street Journal interviewt Patricia Gucci zu ihren Enthüllungen über die Gucci Familie.

Aufstieg der Gucci Familie mit Bamboo Bag

Begonnen hatte der überragende Aufstieg der Guccis mit einer kleinen Werkstatt für Lederwaren in Florenz. Der Sattler Guccio Gucci hatte die Werkstatt 1921 eröffnet. Der älteste Sohn von Guccio, Aldo Gucci, erwies sich schnell als der erfolgreiche Unternehmertyp. Aus dem kleinen Laden wuchs ein führendes Unternehmen für Luxusartikel mit einer einzigartigen Markenidentität. Geschaffen „durch harte Arbeit, Weitblick und Entschlossenheit“, wie es Patricia Gucci formuliert.

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Bamboo Bag – By Sailko CC BY 3.0

Als erster Verkaufsschlager erwies sich die mittlerweile legendär gewordene Gucci-Handtasche „Bamboo Bag“ mit dem Bambusgriff. Entstanden war sie 1947 aus der Not heraus.

Es fehlte an Material und so griff man auf Bambus zurück. In den 50iger und 60iger Jahren expandierte das Unternehmen weltweit.
Die Marke Gucci stand nun für luxuriöse Handtaschen und feine Lederwaren. Das ineinander verschlungene „G“, die Initialen des Gründers Guccio Gucci, avancierte zum Symbol für Luxus und High Society.

Habgier, Intrigen und Rachegelüste

Gucci zählt heute zu den berühmtesten Marken der Welt. Laut der Zeitung „Die Welt“ (17.11.2016) wird der Wert des Modeimperiums auf zwölf Milliarden Dollar beziffert. Doch die Geschichte des Unternehmens hat sich längst von der Gründerfamilie Gucci getrennt.

Denn der Familienclan suhlte sich in Habgier, Intrigen und Rachegelüsten. Die Familienskandale beschäftigten immer wieder die Gerichte. Allein vor der italienischen Justiz waren Mitte der 80iger Jahre 18 Verfahren anhängig, wie der Spiegel berichtete. Mitglieder der Gucci Familie verschwendeten einen beträchtlichen Teil ihrer Vermögen für Streitereien, Anwälte und Gerichtsverfahren.

Der legendäre Gründer des internationalen Modehauses Aldo Gucci musste schließlich mit 81 Jahren eine Haftstrafe in Florida antreten. Der Richter: „Ich verstehe, dass Mr. Gucci 81 Jahre alt ist. Aber als diese Machenschaften begannen, war er 71. Und hier geht es um den größten Steuerbetrug, mit dem ich je zu tun hatte“, so zitiert Patricia Gucci den Richter. Der eigene Sohn Paolo hatte den Steuerfahndern den Tipp gegeben.

Alles mit einem Schlag zunichte

Aldo Gucci war „zutiefst erschüttert“. Im Gerichtssaal saß er „die Hände fest im Schoß verschränkt, die Träume zerstoben. Betrogen, enteignet und bloßgestellt, sah er kleiner aus als sonst – zusammengesunken auf seinem Stuhl.“

Das imposante Gerichtsgebäude des New York State Supreme Court am Foley Square zeigt über den Säulen die Inschrift: The True Administration of Justice is the Firmest Pillar of Good Government (Gute Rechtspflege ist der stabilste Pfeiler einer guten Regierung).

By Beyond My Ken (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

New York State Supreme Courthouse – By Beyond My Ken

Bis zum Schluss war der Patriarch des Modeimperiums überzeugt gewesen ohne Gefängnisstrafe davon zu kommen. Seine Anwälte hatten ihn immer wieder in diesem Glauben bestärkt. „Vor dem ersten Gerichtstermin meines Vaters im Januar 1986 war mit seinen Rechtsberatern vereinbart worden, dass er zwar aussagen würde, von den Steuersparmethoden nichts gewusst zu haben, sich aber dennoch schuldig bekennen, das geschuldete Geld zurückzahlen und auf eine Geldstrafe hoffen würde“.

Doch der Richter zeigte von Anfang an wenig Wohlwollen. Es handelte sich um ein Betrugsverfahren mit einem Schadenswert von mehreren Millionen Dollar.

Bei der Urteilsverkündung schaut der Richter Aldo in die Augen: „Hiermit werden Sie zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einem Tag verurteilt.“

Patricia bricht in Tränen aus: „Alles, was mein Vater je erreicht hatte, war mit einem Schlag zunichte gemacht. Für den Rest seines Lebens würde er als der Aldo Gucci wahrgenommen, der wegen Steuerbetrugs hinter Gittern gesessen hatte.“

Firmenpatriarch im 32-Betten-Schlafsaal

Um das Familienvermögen vor dem Zugriff der Steuerbehörde zu schützen, hatte Aldo Gucci seine Anteile am Unternehmen an seine Söhne Giogio und Roberto verteilt. Für die Tochter Patricia war es „die katastrophalste Entscheidung seines Lebens“. In seinem verzweifelten Bemühen, das Familienerbe zu schützen, habe er keine Sekunde überlegt, ob er sich „auf seine Söhne auch verlassen konnte“.

Im Bundesgefängnis Eglin bekommt er die Nummer 13124-054-E. Man weist ihm eine Koje in einem 32-Betten-Schlafsaal zu. Seine exklusiven Kleider werden gegen ein blaues Hemd, Hosen und einen Pullover ausgewechselt.

Der ruhelose Mann, der von einer Stadt zur nächsten gejettet war, musste sich plötzlich an ein völlig neues Leben gewöhnen. Er liest und hat viel Zeit zum Nachdenken.

Im Herbst 1987 wird Aldo entlassen. Er will nach Florenz, um seine Söhne zu sehen und das Unternehmen wieder auf Spur bringen.

Rasanter Abstieg der Modefirma

Doch da geschieht Überraschendes. Bewaffnete Polizisten der Guardia die Finanza (der italienischen Finanzpolizei) versuchen, Maurizio, den Enkel Aldo Guccis, in Mailand zu verhaften. Ein korrupter Beamter hat ihn jedoch gewarnt, so dass er rechtzeitig in die Schweiz fliehen kann. „Paolo hatte sich dafür gerächt, dass Maurizio die Steuerbehörde über seinen Kauf einer sechzig Jahre alten Creole informiert hatte, der größten je aus Holz gebauten Segeljacht.“ Paolo hatte sie aus einer „illegalen Geldquelle“ bezahlt.

Das Gucci Drama ging also weiter. Der Abstieg der Firma nahm nun weiter an Fahrt auf. Nach Angaben der Welt verzeichnete Gucci 1991 einen Millionenverlust.

Mord aus Rache – Höhepunkt der Familiensaga

Der dramatische Höhepunkt der Familienfehden kam im März 1995. Ein Profikiller erschießt Maurizio  mitten in Mailand. Zwei Jahre später verhaftet die Polizei die Ex-Frau von Maurizio. Sie wird beschuldigt, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Angebliches Motiv: Rache, weil ihr Mann sie wegen einer jüngeren verlassen hatte. Nach 16 Jahren kam sie 2013 aus dem Gefängnis frei.

Kurz bevor Maurizio erschossen wurde, hatte er einen neuen Designer eingestellt: Tom Ford. Der Amerikaner aus Texas stoppte den Untergang des Gucci-Unternehmens. Mit seinen Ideen und Vorstellungen ging es in den folgenden Jahren wieder rapide aufwärts mit dem Mode Label Gucci.

Zu der Zeit ist Aldo Gucci bereits seinem Krebsleiden erlegen. Das hatte er bis zuletzt vor der Familie geheim gehalten. Nur seine Tochter Patricia und deren Mutter waren eingeweiht.

„Angesichts der kurzen kostbaren Lebenszeit, die ihn noch blieb, war ihm klar geworden, dass nicht Geld oder Erfolg entscheidend sind, sondern die Gesellschaft derer, die wir lieben“, schreibt Patrizia über ihren Vater.

Der Verlag stellt das Buch „In Guccis Namen“ von Patricia Gucci vor. In dem Video sieht man Fotos der Familiengeschichte.

Heute: Gucci unterstützt UNICEF

Seit 2005 unterstützt Gucci international UNICEF. Mit speziell gestalteten Handtaschen, von denen das Unternehmen 25 % des Verkaufspreises an UNICEF spendet, engagiert sich das Unternehmen für das UNICEF-Programm „Schulen für Afrika“. Durch die Anteile der Verkaufserlöse, Benefizveranstaltungen und weitere Spendenaktionen hat das Unternehmen mittlerweile weltweit über 15 Mio. Dollar zur Verfügung gestellt. Damit ist Gucci einer der größten Unterstützer der Aktion „Schulen für Afrika“ und seit 2012 auch „Schulen für Asien“.

Quellen:

Bildnachweise:

  • Bildnachweis Bamboo Bag: By Sailko (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons – commons.wikimedia.org
  • Bildnachweis New York State Supreme Courthouse: By Beyond My Ken (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons – commons.wikimedia.org
Über Bernd Kulow

Der Autor dieser Webseite – Bernd Kulow – ist Journalist, Fotograf und Videofilmer, jetzt in Freiburg. Er hat für dpa, DIE ZEIT, stern, FR sowie für Hörfunk und Fernsehen gearbeitet.
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